Dataverse-Speicherprüfung ab 9. November 2026: Stufen, Fristen und Optionen

Von Tobias LehmeierVeröffentlicht am Stand der Fakten:

Microsoft führt die „Dataverse storage validation“ ein. Ab dem 9. November 2026 schränkt Microsoft Mandanten, die über ihrem Speicherkontingent liegen, in festen Stufen ein; die Einführung soll am 4. Dezember 2026 abgeschlossen sein. Dieser Beitrag fasst zusammen, was Microsoft in Microsoft Learn und im Nachrichtencenter veröffentlicht hat, wer betroffen ist und welche Optionen Sie haben.

Was sich ändert

Bisher blieb es bei einer Überschreitung meist bei Bannern und E-Mails. Gesperrt waren einzelne Vorgänge, etwa das Kopieren einer Umgebung, wenn in der benötigten Speicherart weniger als 1 GB frei war. Die Speicherprüfung ergänzt das um feste Stufen mit Fristen.

Maßgeblich ist der effektive Verbrauch. Dataverse unterscheidet drei Speicherarten: Datenbank, Datei und Protokoll. Bevor Microsoft eine Überschreitung feststellt, wird freie Kapazität verrechnet, aber nur in eine Richtung: Freie Datenbank-Kapazität deckt Protokoll und Datei, freie Protokoll-Kapazität deckt Datei. Ein Datenbank-Defizit lässt sich also nur mit Datenbank-Kapazität ausgleichen.

Stufen und Fristen

Stufen der Speicherprüfung
StufeBeginnFolgen
Frühe Hinweiseeffektiver Verbrauch über 85 %Informations- und Warnhinweise
Stufe 1: Eingeschränkterster Tag über 100 % effektivem Verbrauch („T0“)Erstellen, Kopieren und Wiederherstellen von Umgebungen gesperrt, auch das Zurückholen gelöschter Umgebungen
Stufe 2: Verwaltungsmodus30 Tage nach T0betroffene Sandboxes nur noch für Administratoren erreichbar
Stufe 3: Deaktiviert60 Tage nach T0 laut Ankündigung, 90 Tage laut Microsoft LearnAnmeldung an betroffenen Sandboxes für alle gesperrt, auch für Administratoren; Umgebung und Daten bleiben erhalten

Für Stufe 3 nennt Microsoft zwei Fristen. Die Ankündigung MC1483519 im Nachrichtencenter (zuletzt aktualisiert am 5. Oktober 2026) spricht von 60 Tagen, Microsoft Learn von 90 Tagen (englische Fassung aktualisiert am 7. Oktober 2026, deutsche Fassung am 8. Oktober 2026). Bis Microsoft die Angaben angleicht, planen Sie besser mit 60 Tagen.

Ein Rechenbeispiel: Fällt T0 auf den 9. November 2026, beginnt Stufe 2 am 9. Dezember 2026 und Stufe 3 am 8. Januar 2027 (60 Tage) oder am 7. Februar 2027 (90 Tage). Wie Microsoft T0 für Mandanten festlegt, die schon vor der Einführung über 100 % liegen, ist nicht beschrieben. Laut Ankündigung nennen die Benachrichtigungen das Datum der ersten Überschreitung und die aktuelle Stufe.

Die Einschränkungen enden, sobald der Mandant wieder unter 100 % liegt; deaktivierte Sandboxes aktiviert danach ein Administrator wieder. Eine Sandbox lässt sich zwischendurch aus dem Verwaltungsmodus holen; die Frist läuft dabei weiter. In der englischen Oberfläche heißt der Modus „Administration mode“.

Betroffene Mandanten und Ausnahmen

Betroffen sind Mandanten, die nur Dataverse nutzen, also keine Umgebungen und keinen Verbrauch von Dynamics 365 Finance and Operations haben. Microsoft nennt diese Produkte: Dynamics 365 Sales, Customer Service, Field Service, Customer Insights, Customer Voice, Contact Center und Project Operations (Dataverse-Bereitstellungen).

Nicht oder anders betroffen:

  • Mandanten mit Finance-and-Operations-Umgebungen oder -Verbrauch fallen nicht unter die Prüfung.
  • Produktivumgebungen gehen nicht in den Verwaltungsmodus und werden nicht deaktiviert. Kopieren und Wiederherstellen sind aber auch für sie gesperrt: Solange der Mandant über 100 % liegt, können Sie keine Sandbox aus der Produktion aktualisieren und keine Sicherung zurückspielen.
  • Sandboxes mit aktivem Pay-as-you-go durchlaufen die Stufen nicht. Andere Sandboxes im selben Mandanten können weiter eingeschränkt werden.
  • Testversions-, Vorschau-, Support-, Entwickler- und Teams-Umgebungen zählen laut Microsoft nicht zum Verbrauch des Mandanten.

Ob reine Power-Apps-Mandanten ohne die genannten Dynamics-365-Produkte betroffen sind, beschreibt Microsoft nicht ausdrücklich.

Ihre Optionen laut Microsoft

Optionen bei einer Überschreitung
OptionWas sie bringtWas Sie beachten müssen
Speicher freigeben (löschen)dauerhaft weniger Verbrauch, keine laufenden Kostenendgültig; der Kapazitätsbericht zeigt die Wirkung erst nach bis zu 72 Stunden. Ist „Keep deleted Dataverse records“ aktiv, zählen gelöschte Zeilen bis zu 90 Tage weiter
Langzeitaufbewahrung (Long-term Retention)Daten bleiben schreibgeschützt in Dataverse und belegen im Mittel rund 50 % weniger Datenbank-Kapazitätnur in verwalteten Umgebungen; keine Audit- und elastischen Tabellen; Anhänge werden nicht kleiner; nicht umkehrbar; ein Lauf dauert 72 bis 96 Stunden, der Bericht folgt frühestens 24 Stunden später
Kapazität zukaufenschließt das Defizit planbarlaufende Kosten; es hilft nur die fehlende Speicherart: Datei-Kapazität löst kein Datenbank-Defizit
Pay-as-you-go für einzelne Sandboxesdie verknüpfte Sandbox ist von den Stufen ausgenommenAbrechnung über ein Azure-Abonnement; ohne zugewiesene Kapazität sind je Umgebung nur 1 GB Datenbank und 1 GB Datei frei, Protokoll-Speicher kostet ab dem ersten GB (Listenpreis laut Microsoft Learn: 12 US-Dollar je GB und Monat)
KapazitätserweiterungAufschub um 25 % des Verbrauchs für höchstens 45 Tageerst ab 80 % Verbrauch, höchstens dreimal in 365 Tagen; danach gelten die Sperren wieder
Ungenutzte Umgebungen löschendie ganze Umgebung wird freiZurückholen nur 7 Tage lang (Produktivumgebungen mit Dynamics-365-Apps: 28 Tage) und je nach Umgebungstyp nur mit freier Kapazität; in Stufe 1 gesperrt

Kapazität zwischen Umgebungen umzuverteilen hilft nicht. Laut Microsoft ändert das weder das Kontingent des Mandanten noch ein Defizit.

Checkliste: fünf Schritte vor dem 9. November

  1. Stand je Speicherart ablesen. Notieren Sie Kontingent und Verbrauch für Datenbank, Datei und Protokoll getrennt und rechnen Sie die Verrechnung nach (siehe Kasten). Ein Protokoll-Überhang ist nur gedeckt, solange in der Datenbank Kapazität frei ist.
  2. Die größten Tabellen benennen. Microsofts Anleitungen zur Bereinigung nennen unter anderem AuditBase (Protokoll), AsyncOperationBase und WorkflowLogBase (Datenbank) sowie AnnotationBase und Attachment (Datei). Prüfen Sie auch Sandboxes, die als Vollkopie der Produktion entstanden sind.
  3. Vorgänge einplanen, die Kopieren oder Wiederherstellen brauchen. Sandbox-Aktualisierungen, Wiederherstellungstests und neue Umgebungen für Projekte sollten nicht in eine mögliche Sperrphase fallen. Informieren Sie Administratoren, Entwickler und Anwender über die möglichen Einschränkungen.
  4. Mit risikoarmen Bereinigungen beginnen. Abgeschlossene Systemjobs, Import-Historie, alte Duplikaterkennungsjobs und die Protokollstufe für Plug-ins sind von Microsoft dokumentierte Ansatzpunkte mit vergleichsweise geringem Risiko. Audit-Protokolle löschen Sie erst, wenn feststeht, wie lange Sie Änderungen nachweisen müssen. Microsoft empfiehlt, sie im eigenen Speicher aufzubewahren.
  5. Über den Rest mit Datum und Verantwortlichem entscheiden. Zukauf der fehlenden Speicherart, Pay-as-you-go für einzelne Sandboxes oder eine Kapazitätserweiterung als Überbrückung. Rechnen Sie ein, dass Microsoft die Wirkung von Löschungen erst nach bis zu 72 Stunden anzeigt.

Quellen